Freie Presse Artikel: Zabag wächst im Ausland: Warum Deutschland für die Firma im Erzgebirge zum Bremsklotz wird

Grünhainichen. Die ZABAG AG in Grünhainichen trotzt der schwachen Konjunktur – zumindest auf den ersten Blick. „Uns geht es gut“, sagt Vorstandschef Michael Simon. Tatsächlich läuft das Jahr 2026 bislang besser als erwartet. Doch der zweite Blick zeigt: Das Wachstum hat vor allem einen Treiber – und der liegt nicht in Deutschland.

Nach einem schwierigen Jahr 2025 peilt das Unternehmen für 2026 einen Umsatz von rund 19 Millionen Euro an. „Dieses Plus ist eindeutig dem Auslandsgeschäft zu verdanken“, sagt Simon. Im ersten Quartal lag der Exportanteil bei etwa 65 Prozent.

Schwache Investitionen in Inland bremsen ZABAG-Wachstum

ZABAG bezeichnet sich selbst als führenden Anbieter von Zugangs- und Sicherheitslösungen im Außenbereich, etwa für Flughäfen, Botschaften oder Logistikzentren.

Die Nachfrage kommt aus vielen Teilen der Welt: aus Asien, etwa mit einem Entwicklungsauftrag für Sicherheitslösungen an Checkpoint-Anlagen, ebenso aus Brasilien und dem Nahen Osten. Eine einzelne Wachstumsregion lässt sich nicht ausmachen – vielmehr profitiert ZABAG von einer global steigenden Nachfrage nach Sicherheits- und Perimeterschutzlösungen.

Ganz anders die Lage in Deutschland. Simon spricht offen von einer schwachen Entwicklung. Investitionen würden vielerorts zurückgestellt – sowohl bei der öffentlichen Hand als auch in der Industrie. „Dort, wo eigentlich investiert werden müsste, passiert nichts.“ Besonders spürbar sei das im Bereich kritischer Infrastruktur.

Expansion ins Ausland als Antwort

Als Ursachen nennt der Vorstandschef hohe Energie-, Lohn- und Sozialkosten, aber auch fehlende Planungssicherheit. Vor allem aber kritisiert er langsame Entscheidungsprozesse. „Die anderen auf der Welt warten nicht auf Deutschland“, sagt Simon. Während sich Märkte international weiterentwickelten, drohe Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Das zeigt sich auch vor der eigenen Haustür. Die geplante Erweiterung des Firmensitzes in Grünhainichen kommt nur schleppend voran. Beim Erstellen des Bebauungsplans müssten zahlreiche Behörden beteiligt werden, das Verfahren dauere deshalb lange. „Diese Zeiten müssen vorbei sein“, fordert Simon – auch mit Blick auf verloren gehendes wirtschaftliches Potenzial.

Strategisch reagiert das Unternehmen auf die Entwicklung. Die ZABAG will ihr Auslandsgeschäft weiter ausbauen, mehr internationale Messen besuchen und gezielt Personal für den Exportbereich einstellen. Der Arbeitsmarkt spielt dem Unternehmen dabei derzeit sogar in die Karten: Durch die Konjunkturschwäche sei die Anzahl der Bewerber deutlich gestiegen, auch aus klassischen Industriezweigen wie Maschinenbau.

KRITIS-Dachgesetz sorgt weiter für Unsicherheit bei Betreibern

Parallel setzt ZABAG auf ein zweites Standbein: Beratung. Mit der 2025 gegründeten perimind Consulting GmbH will das Unternehmen vom wachsenden Bedarf an Sicherheitskonzepten profitieren – insbesondere im Umfeld kritischer Infrastrukturen.

Der erwartete Schub durch das neue KRITIS-Dachgesetz lässt allerdings noch auf sich warten. Zwar ist das Gesetz inzwischen in Kraft, doch in der Praxis herrscht vielfach Unsicherheit. „Es fehlt an konkreten Vorgaben“, sagt Simon. Viele Betreiber wüssten noch nicht einmal, ob sie überhaupt betroffen seien – geschweige denn, welche Maßnahmen sie ergreifen müssen.

ZABAG eröffnet Büro in Salzburg

Trotzdem wächst der Bereich. Perimind hat inzwischen erste größere Aufträge aus der Energie- und Datenbranche gewonnen und beschäftigt aktuell vier Mitarbeiter. Zudem eröffnet ZABAG gemeinsam mit der Beratungssparte im Juni ein Büro in Salzburg. Dort seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen klarer geregelt, was die Umsetzung erleichtere.

Langfristig rechnet Simon weiterhin mit steigender Nachfrage. Der Bedarf am Schutz kritischer Infrastruktur sei unstrittig. „Die Notwendigkeit ist da“, sagt er. Wann daraus in Deutschland allerdings ein spürbarer Investitionsschub entsteht, bleibt offen. (mik)

KRITIS: Was das Gesetz regelt

KRITIS steht für „Kritische Infrastrukturen“. Gemeint sind Einrichtungen, die für das Funktionieren des Gemeinwesens unverzichtbar sind – etwa Energieversorgung, Wasser, IT- und Telekommunikationsnetze, Krankenhäuser, Verkehrssysteme oder die Lebensmittelproduktion.

Mit dem neuen KRITIS-Dachgesetz will der Staat Betreiber stärker in die Pflicht nehmen. Sie müssen künftig prüfen, wie verwundbar ihre Anlagen sind, Risiken systematisch analysieren und daraus konkrete Schutzmaßnahmen ableiten. Zudem gelten Melde-, Dokumentations- und Nachweispflichten gegenüber Behörde.

Das Gesetz ist seit März in Kraft.Die praktische Umsetzung erfolgt jedoch schrittweise. So beginnt etwa die Registrierung betroffener Betreiber erst im Sommer. Viele Details – etwa Schwellenwerte, Zuständigkeiten und konkrete Anforderungen – sind noch nicht abschließend geregelt. Deshalb herrscht in vielen Unternehmen derzeit Unsicherheit, und Investitionsentscheidungen werden teils noch zurückgestellt.

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